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D A S GENERALGOUVERNEMENT
Aus der Arbeit einer htadt in Frontn??he
Dieses sch??ne schmiedeeiserne Portal gibt den
Blick aut die Evangelische Kirche im Hinter??
grund frei
& Dezember 1944
Kinderheime und Gesundheitsf??rsorge
Kleine Stadt am Dunajec - Alte und neue Zeit reichen sich die HSnde - Das deutsche Herz schl??gt auch f??r die ein??
heimische Bev??lkerung - Aus verwahrlosten Bauernh??fen wurden ertragreiche Stadtguter
Neu-Sandez, Ende November
Jede Stadt hat ihr Gfesicht. Es ist nicht vier-
eckiq, kugelrund oder langgezogen wie die Bau-
am!age, vielmehr pr??gen seine Z??ge andere
Kr??fte, -geistige und geschichtliche. Die Gesich??
ter der kleinen St??dte im Vonland und in den
Vorhergen der Besikiden h at die Gelschichte ge??
formt, und zwar die deutsche in der ??sterreichi??
schen Ausgabe. Dies ist in Gorlice genau so ??u
/,
sondern f??r die ganze Stadt verantwortlich ist.
W ir besuchten also den deutschen Stadtkommis??
sar. Das Gespr??ch mit ihm in dem nach dem Ge??
schmack der Jahrhundertwende erbauten Rat??
haus war sehr aufschlu??reich, denn ia seinen
und seiner Mitarbeiter H??nden liegt die F??hrung
dieser Stadt. Er mu?? dabei v-jeles bedenken u nd
??bersehen. Da ist die behutsame und manchmal
strenge Anw endung der b??rqerme Verliehen Ge??
walt, die Sorge um die Gesundheit, um Sicher??
heit und Sauberkeit, um gen??gend Heizung und
Nahrung. Und um noch vieles mehr, was im Ge??
spr??ch qestreift wird. Aber dabei erkennen wir,
da?? sich der Stadtkommissar auch um die Armen
und Hilflosen, um die Schwachen und Gef??hrde??
ten bem??fht, V ir erkenn en das deutsche Henz,
da?? ??ber den Notwendigkeiten des Krieges und
de?? Sieges die Menschlichkeit nicht vergi??t.
Ate der Doktor aus W ien sein Amt antrat,
lie?? er sich am ersten. Ta,q durch das Rathaus
f??hren, mm das Geb??ude kennenaulemen, in dem
er seine?? Amte?? walten sollte. Unten im Keller,
im Arresflokal, fand er f??nf H??ftlinge, f??nf Kin??
der, Knaben von acht bis zw??lf Jahren vor.
Diebe, wie man eifrig versicherte, Weine G au??
ner, der Nachw uchs der gro??en. Stra??enl??irnmed,
Verwahrloste. Unfugstifter. ein Schrecken der
Einwohner, Ba-uern und Marktfrauen. Da beschlo??
er, f??r diese Verwahrlosten eine besondere A n??
stalt zu errichten. Mit dem Polnischen HiMskpm-
mitee Hand in Hand verwirklichte er in kurzer
Zeit diesen Plan. Ein passendes Haus wurde ge??
funden und wohnlich gemacht, die Kinder unter
die Leibung eines erfahrenen P??dagogen gestellt
und besch??ftigt. W ir finden heute eine Tischle??
rei, eine reisende SmeSwarewherstelluog, daneben
Gem??sebau und Kaninchenzucht. Es hat sich
in diesem Hieim bisher k ein Diebstahl ereignet,
die Kinder'* sind mit Lust und Liebe bei der
Aiibeit, denn sie f??llen sich anerkannt, von
der Stra??e befreit und in eine gute Gemeinschaft
ausgenommen. Neben der handwerklichen und
charakterlichen A bbildun g ist der Gesundheits??
zustand vorz??glich.
W ir besuchen anschlie??end ein Kinderheim,
das vom der Stadt finanziell gest??tzt wird. Dort
sind die Kleinkinder zu Hause, Jungen und M ????
del,- von Schwestern betreut. Eine von ihnen
waltet wie der Schutzengel der bildenden K??n??
ste in den' R??umen und versorgt die Schutz??
befohlenen m it Papier und Farbe. M it gro??em
Eifer waren die Kleinen be!i der Sache, hier und
da hob s ch aus dem Farbenraiusch einer allzu??
wilden Phantasie und Freude am Grellen das
sch??ne Bild einer guitbeobachteten Landschaft.
In' einem anderen Heim sahen wir Kinder m it
Knet aibeiten besch??ftigt. Tiere entstanden, Fa??
belwesen, Flugzeuge, B??ume und Menschen . ..
Dies alles waren Beobachtungen unter der
Oberfl??che, denn wer hat schon Zeit umd Gele??
genheit, in einer kleinen Stadt nahe der Front
sich um diese Dinge zu bem??hen, um Kinder??
heime, wer um das Armenhaus, um das Amt f??r
Gesundheitsf??rsorge? Da springen schon andere
Dinge ins Auge: die vielen Schulen vielleicht,
denn Neu;Sandez war in der ??sterreichischen
Zeit eine bekannte Sohulstadt. W er Lust hat,
geht in die Stadtbibliothek, in der immer noch
in bestaubten Best??nden der ??sterreichischen
Zeit die- alten vergessenen Dichter und Schrift-
??*oMor dam als Taaeisber??hmtheiten aufbewabrt
\ufn.: Archiv
Das Rathaus von Neu-Sandez, das wie so viel??
??ffentliche Bauten unter der ??sterreichischen
Verwaltung Im Neurenalssancestll errichtet ist
jAber wir wollen keine- geschichtliche Abhand??
lung schreiben, vielmehr mit einem Satz in das
20. Jahrhundert springen, in das Jahr 1944, in
den November, der seine goldenen Farben in den
Bergw??ldern als . Feuerbr??nde und Lichtsignale
verstreute ??? ist die Maienbirke sch??ner als die
novemiberlich flammende? ??? der November ver??
schwendet die goldensten Farben, bis der Sehne?
aus tief herabh??ngenden Wolken kam und das
Leuchtende unter seine wei??en, damastenen T????
cher legte. . . . Der ??ch??ne Park von Neu-Sandez
branmite in goldenen Farben, als wir nach dem
Rathaus gingen, um den Mann aufzusuchen, der
glicht nur f??r diesen Park und andere Anlagen,
beobachten wie kl Taxnow oder Neu-Sandez, von
dem .w ir einige Skizzen entwerfen wollen, fl??ch??
tige Bilder, die dar Tag vor die Augen brachte.
Die Polen haben 6ich im Lauf ihrer Geschichte
mehr dem Westen uagewandt als dem Osten.
Der Osten war f??r sie der freie Raum, den es
zu erobern und zu besiedeln galt, der Westen
die geistige H e im a t nacht ungef??hrtidh, ein
Kampfplatz der Geister, ein Zaubenganten der
Kunst umd Wissenschaften. A uch in Neu-Sandez
ist ein Haiuch davon zu sp??ren.
Neu-Sandez am Dunajec gelegen ??? ln den
Bergw??ssem laicht der Lachs und tummelt sich
die Forelle ??? die Bergw??sser 6tamen sich an
anderer Stelle zu einem gro??artigen See, die
kleine Stadt ??eu-Sandez zieht sich freund??ich
auf einer schmalen Erhebung zwischen der alten
Burg und dem neuen Bahnhof hin. Die alte Zeit
gibt der neuen dte H??nde, wie sich gerade hier
in den Vorbergen deutsches und polnisches W e??
sen stark ber??hren. Vom 13. bis zum 18. Jahr??
hundert zogen deutsche Bauern und Handwerker
ln dieses Land und ??chufen M??hende Gemein??
wesen.
Malerisch e Ecke des Schlo??burghofes v on Neu-Sandez
{
Die neue Schulkirche von Neu-Sandez
n
und wohl auch noch gelesen werden wollen. Da??
Kino interessiert, die alte Burg find et Liebhaber,
der Besuch der Entlausungsanstalt dagegen ist
Pflicht aller Heimfahrer. Ja, diese Anstalt ist
auqjh neu. Si.e steht in der N??he des Gesundheits??
amtes, dem' die gr????te Aufmerksamkeit de??
Stadtkommissare gilt. Es sei hier noch vermerkt,
da?? Neu-Sandez w??hrend des Krieges von kei??
ner Epidemie heimgesucht wurde und durch
Impfzwang Typhus, Ruhr und Fleckfieber fern
gehalten hat. Dies nicht nur zum W ohl der pol-
wischen Einwohner, sondern ebenso der deut??
schen Soldaten, die auf den Wegen v??ij und
zur Front oft hier verweilen.
Von den ersten deutschen Siedlern, die vor
rund siebenhundert Jahren in dieses sch??ne H ????
gelland kamen, bis zu den deutschen Verwal??
tungen in den kleinen St??dten in den Vorfoer-
gem der Beskiden ist ein langer Weg. W js dlia
Vorfahren damals begonnen, w ird auch im sech??
sten Kriegsjahr aus Liebe zur Sache, aus Ein??
sicht in die Notwendigkeiten und nicht zuletzt
a-ua einer tiefen Verpflichtung f??r das Neue
Buropa fortgesetzt. Im Neu-Sandez sorgt die
deutsche Stadtverwaltung gut f??r die polnische
Bev??lkerung. Dies entspricht durchaus dem Pro??
gramm, das vom Generalgouvemeur aufgestellt
umd am F??nfjahrestag der Errichtung des Gene??
ralgouvernements in feierlichem Staatsakt erneut
bekr??ftigt wurde. Das Gesundheitsamt, die Kin ??
derheime, das Armenhaus geh??ren dazu wie die
beiden Stadtg??ter, die aus verwahrlosten H??fen
errichtet wurden.
Max-Barthei
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